Ausbildungsvorbereitung für Migrantinnen und Migranten

Die Ausbildungsvorbereitung für zugewanderte Jugendliche (AvM dual und inklusiv, im Folgenden mit AvM abgekürzt) ist für Jugendliche, die im Alter von 16-18 Jahren nach Deutschland kommen und somit noch schulpflichtig sind. Können die Jugendlichen noch nicht das lateinische Alphabet, wird der AvM eine einjährige Alphabetisierung vorgeschaltet. Ziel ist hier der Zweitspracherwerb, sowohl schriftlich als auch mündlich. Nach erfolgreicher Alphabetisierung wechseln die Schülerinnen und Schüler in die 2-jährige AvM, die das Ziel verfolgt, eine berufliche Perspektive zu erarbeiten und den Übergang zu gestalten. Alphabetisierung und AvM gehören systemisch zur Berufsvorbereitungsschule (BVS). Die Lernenden werden durch das Hamburger Institut für Berufliche Bildung (HiBB) den Berufsbildenden Schulen zugewiesen. Klassen werden – aufgrund der Zuwanderung – auch unterjährig neu eingerichtet, sodass die Jugendlichen möglichst zeitnah beschult werden können.

avm-bmk-infografik

Wie ist es bei uns?

Grundsätze

Da die Schülerinnen und Schüler zu Beginn der BVS oft wenig bis gar keine Sprachkenntnisse der deutschen Sprache haben, ist der Zweitspracherwerb von zentraler Bedeutung. Dashamburgische Schulsystem ist für die Lernenden zu Beginn fremd und anders als das, was sie aus ihren Herkunftsländern kennen. Daher erhalten die Schülerinnen und Schüler zu Beginn der Alphabetisierung eine Klassenlehrerin bzw. einen Klassenlehrer, in AvM eine Mentorin bzw. einen Mentor, der sich wöchentlich mit seiner Mentorengruppe zusammensetzt und Orientierung bietet. Ab dem zweiten Schulhalbjahr in der AvM wird der Lernort Schule durch das erste Betriebspraktikum – als zweitem Lernort – ergänzt. Pro Schulhalbjahr findet ab nun ein Praktikum parallel zum regulären Unterricht statt. Die Lernenden werden so mit komplexeren Kommunikationssituationen konfrontiert, in denen sie durch Nachfragen, Ausprobieren und die Hilfestellung der Gesprächspartner Sprache und Wissen über die Berufswelt erwerben. Da die Mentoren ihre Mentees während der Praktikumsphasen regelhaft besuchen, werden Lernhandlungen systematisch aufgearbeitet und die Reflektion zu einem wesentlichem Bestandteil von Lernen.

Schülerinnen und Schüler, die während der BVS erfolgreich ihre Deutsch- und Englischkenntnisse so erworben haben, dass sie auf Deutsch das Zielniveau B1 (nach Gemeinsamen Europäischem Referenzrahmen, GER) und auf Englisch A2 erreicht haben, können sich zur Prüfung des Ersten Allgemeinbildenden Schulabschlusses (ESA)  anmelden. Erzielt eine Schülerin bzw. ein Schüler sehr gute bis gute Leistungen beim ESA (Notendurchschnitt D/M/E+LF1 besser als 2,5), so kann sie bzw. er einen Härtefallantrag auf Verlängerung um ein weiteres Schuljahr über die Abteilungsleiterin beim HiBB stellen. Leistungsstarke Schülerinnen und Schüler, die in Deutsch B2 und in Englisch B1 erreichen, können sich zur Prüfung des Mittleren Schulabschlusses (MSA) melden. Für alle Schülerinnen und Schüler findet am Ende der BVS eine Übergangskonferenz in Kooperation mit der HiBB JBA , Jugendberufsagentur, sowie der Berufsagentur (BA) statt. Zudem haben alle Schülerinnen und Schüler ein Beratungsgespräch mit dem Berater der BA, bevor sie die Schule verlassen.

Eindrücke

Schule wird an der Beruflichen Schule für Medien und Kommunikation (bmk) als Lern- und Lebensraum begriffen. Die Schülerinnen und Schüler haben wöchentlich 36 Stunden in Form von Unterricht oder Ganztagsangeboten. Es gilt für jede Lernende bzw. jeden Lernenden in AvM. In der Alphabetisierung sind die Schülerinnen und Schüler 30 Stunden pro Woche. Der Ganztagsunterricht in AvM findet montags bis freitags in der Regel zwischen 8 und 15.30 Uhr statt. In der Zeit des Betriebspraktikums richtet sich die Arbeitszeit gemäß der Einhaltung des Jugendarbeitsschutzgesetzes, sollte aber im Rahmen des Praktikums in etwa sechs bis acht Arbeitsstunden nicht (dauerhaft) überschreiten. Während der Schulferien haben die Schülerinnen und Schüler frei.

Die bmk unterstützt Lernhandeln, indem die Schülerinnen und Schüler eine auch nach den Unterrichtszeiten geöffnete Mediathek mit Computerarbeitsplätzen aber auch Einzel- oder Gruppenarbeitstischgruppen und diversen Medien nutzen können. Während der Unterrichtszeiten sind die Lerngruppen in der Regel zusammen in einem Klassenraum. Diese Lernräume bieten Platz für Stuhlkreise, Gruppenarbeitstische oder andere Sitzformen. Zusätzlich sind alle Klassenräume mit Computern, einem interaktivem Whiteboard und weiteren Visualisierungsflächen ausgestattet. Je nach Interessen, Begabungen und Leistungen innerhalb der Lerngruppen nutzen sie im Rahmen des Ganztags gewählte oder durch den Mentor abgestimmte Lern- und Kursangebote.

In der Auseinandersetzung mit ihrem Umfeld sind neu zugewanderte Jugendliche gefordert, sich zu verschiedenen Themen zu positionieren, ein eigenes Wertesystem aufzubauen sowie soziale und politische Verantwortung zu übernehmen. Dies stellt oft eine große Herausforderung dar. Darum wird in AvM viel Wert auf tragfähige Beziehungen zwischen Lernenden und Lehrenden an den beiden Lernorten Schule und Betrieb gelegt.

Schülerstimmen

Asmaa (17): Ich lerne Gitarre spielen und singen. Das ist toll.

Pascal (17): Der Musikkurs macht viel Spaß. Ich rappe auf Französisch.

Sami (17): In der Schule gibt es viele Instrumente. Ich möchte Klavierspielen lernen, damit ich in der Gruppe spielen kann. 

Sarwar (18): Ich will Rapper werden! Ich habe einen Text auf Dari geschrieben. Das ist meine Muttersprache. Ich möchte aber auch gerne auf Deutsch singen.

Juan (19): Ich produziere gerne meine eigenen Beats. Ich möchte in der Zukunft Musikproduzent werden.

Esraa (18): Es gefällt mir sehr, was wir in der Musikgruppe machen.

Georgiana (17): Ich lerne Bass spielen. Das ist cool.

Zenab (18): Mir gefällt es, dass wir zusammen Gitarre spielen.

Mariami (17):  Mir gefällt es, dass jeder im Musikkurs die Chance hat, etwas Neues zu lernen. Ich bringe seitdem jeden Mittwoch meine Ukulele mit zur Schule.

Über das Berufsfeld

Unternehmen und Branchen

Die Schülerinnen und Schüler dürfen in allen Bereichen ihr Praktikum absolvieren. Während das erste Praktikum vornehmlich dem Spracherwerb dient und somit dort absolviert werden sollte, wo der bzw. die Lernende möglichst viel unterstützt werden kann, zielt bereits das zweite Praktikum auf berufliche Orientierung und sollte daher den Interessen, Fähigkeiten und Berufswünschen entsprechend gesucht werden. Das multiprofessionelle Team, das aus Ausbildungsbegleitern und Lehrkräften sowie Arbeitsassistenten für Schülerinnen und Schüler mit Assistenzbedarf besteht, bildet für eine Lerngruppe das Mentorenteam und unterstützt bei der Praktikumsvorbereitung, begleitet individuell die Mentees während des Praktikums und arbeitet in der Mentorenstunde die Lernerfahrungen auf.

Die Praktikumszeiträume belaufen sich in der Regel auf zwölf Wochen, bei denen die erste Woche eine Kompaktwoche ist und im Anschluss zwei Tage pro Woche am Lernort Betrieb stattfinden, die übrigen drei Tage jedoch am Lernort Schule sind. Ab dem Schuljahr 2019/2020 wird das Praktikum für alle Schülerinnen und Schüler dienstags und mittwochs liegen. Zudem werden die erste und die letzte Woche eine Kompaktwoche und die Dauer wird auf acht Wochen verkürzt. Damit reagieren wir auf die Wünsche unserer Partner und auf die Bedürfnisse der Lernenden, die zwischen den Praktikumsphasen bisher oft das Gefühl hatten, von einem Praktikum in das nächste zu wechseln, ohne Zeit zum Verarbeiten zu haben. Im Januar 2019 ist für die Schülerinnen und Schüler ein beruflicher Orientierungstag an der bmk organisiert und durchgeführt worden. Mehr als 18 Unternehmen, Innungen oder Partner im Übergang haben in Form eines Marktplatzes in der schuleigenen Veranstaltungshalle oder in Expertenräumen Raum und Möglichkeiten eröffnet, um den Übergang der Absolventen zu erleichtern und mit zu unterstützen. Sollten Sie, liebe Praktikumsgeber, Betriebe und/oder Partner im Übergang, Interesse haben, melden Sie sich gern für den nächsten beruflichen Orientierungstag an der bmk an!

Über Inhalte und Strukturen

Inhalte

Alphabetisierung in AvM

Dem Bildungsgang AvM kann je nach schulischer Vorerfahrung der Schülerinnen und Schüler eine einjährige Alphabetisierung vorgeschaltet werden. In den an der bmk abgekürzten va-Klassen erwerben die Schülerinnen und Schüler erste Schrift- und Sprachkenntnisse in Deutsch als Zweitsprache, eignen sich grundlegende mathematische Fertigkeiten an und lernen den Umgang mit Computer. Sie lernen außerdem ihren Lern- und Arbeitsprozess selbst zu organisieren, mit Stress- und Konfliktsituationen umzugehen und eignen sich dafür nützliche Lernstrategien und Techniken an.

Innerhalb dieser Zeit kommt dem Erwerb von Lese- und Schreibfähigkeit eine besondere Stellung zu, wobei im Unterricht auch auf soziale, kommunikative, demokratische, handlungsorientierte, teilhabende und motivierende Aspekte des Lernens großer Wert gelegt wird. 

Bei Bedarf können die Schülerinnen und Schüler zusätzlich Lese- und Schreibkurse bei der gemeinnützigen Gesellschaft für berufliche Kompetenzentwicklung mbH KOM besuchen. Durch die Kooperation mit KOM wird eine intensive und nachhaltige Grundalphabetisierung gewährleistet.

AvM dual und inklusiv (AvM)

Die BVS ist eine Ganztagsschule. Das bedeutet, dass die Schülerinnen und Schüler 30 Stunden Unterricht und sechs Stunden Ganztagsangebote erhalten. Schule wird hierbei als geschützter Lern- und Lebensraum verstanden, in dem sowohl Arbeit und als auch Entspannung stattfinden. Neben dem berufsbegleitenden Unterricht haben die Schülerinnen und Schüler im berufsübergreifenden Unterricht Sprache und Kommunikation, Mathematik, Fachenglisch, Bewegung und Gesundheit sowie Werte und Leben in Deutschland. Der Ganztag erfordert von den Schülerinnen und Schülern, dass sie an vier Tagen von 08.00 Uhr – 15.30 Uhr Unterrichtsangebote wahrnehmen und lediglich einen kurzen Tag haben. An diesem Tag sollten Behördengänge und Arzttermine gelegt werden.

Zurzeit wählen die Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen Kursangeboten, die Kreativität und kritisches Denken fördern und den eigenen Interessen und Fähigkeiten entsprechen. Hierbei handelt es sich um Theater, Journalismus für junge Frauen, Musik, Fotografie, Kunst und Medien sowie Karate.

Lernfelder, Projekte

Ziel der BVS ist es, eine berufliche Perspektive zu entwickeln und den Übergang in eine duale Ausbildung oder eine adäquate Anschlussmöglichkeit zu gestalten. Die Vielfalt der Möglichkeiten begrenzt sich durch individuelle Einstellungen, Wahrnehmungen und Vorstellungen. Die schulpflichtigen jungen Menschen im Alter von 16 bis 18 Jahren absolvieren pro Schulhalbjahr ein achtwöchiges Betriebspraktikum (ab Schuljahr 2019/2020).

Der berufsbezogene Unterricht* wird in vier Lernfeldern im Zeugnis dargestellt: Im Betrieb lernen und handeln, eine betriebliche Lernaufgabe verfassen und präsentieren, betriebliche Handlungen reflektieren und den eigenen Übergang gestalten. Die Anforderungen werden derzeit gemeinsam erarbeitet, erprobt und entsprechend der Lernausgangslagen der Schülerinnen und Schüler individuell angepasst. So erhält jede Schülerin bzw. jeder Schüler zum Halb- oder Schuljahresende zusätzlich zum Zeugnis einen Anhang, auf dem die individuellen Kompetenzen auf Basis des Praktikums aber auch der erbrachten Leistung in der Schule festgehalten sind. Der berufsbezogene Unterricht wird entsprechend des neuen Bildungsplans sukzessiv entwickelt, genutzt und erprobt.

Ab Ende des ersten Schulhalbjahres in AvM und bereits in der Alphabetisierung werden unterschiedliche Berufsbilder gemeinsam erarbeitet und die Wortfelder erschlossen. Ab dem zweiten Halbjahr in AvM werden die beruflichen Handlungen im Unterricht in Form von Reflexionsgesprächen aus dem Praktikum aufgearbeitet und durch die Mentorenbesuche vor Ort Wortfelder erarbeitet und gemeinsam mit den Anleitern vor Ort gearbeitet. Einen Praktikumsplatz suchen sich die Jugendlichen eigenverantwortlich. Bei der ersten Praktikumsplatzsuche  unterstützt sie bei der Erstellung der Dokumente ihr Mentor bzw. das Mentorenteam. Je nach Bedarf unterstützen die Mentoren auch über die gesamte Ausbildungsvorbereitungsdauer den bzw. die Mentee bei der Berufserkundung und dem Weg zur Orientierung. 

Der berufsübergreifende Unterricht *verfolgt mehrere Ziele: So sollen die Lernenden Schule als geschützten Lern- und Lebensraum erfahren, soziale und humane Kompetenzen entwickeln und fördern sowie ausbildungsreif aus der Berufsvorbereitung in den nächsten Ausbildungsabschnitt hervorgehen. Sprache und Kommunikation, Mathematik, (Fach-)Englisch, Leben und Werte in Deutschland sowie Gesundheit und Bewegung aber auch die Ganztagsangebote werden im Zeugnis ausgewiesen. Zentral für alle Jugendlichen ist der Spracherwerb. Neben dem Erlernen der deutschen Sprache sowohl mündlich als auch schriftlich sollen auch weitere Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten gelernt und gefördert werden.

Um die Schülerinnen und Schüler zu fördern und mit ihnen gemeinsam lernen zu organisieren, wird seit Schuljahresbeginn 2018/2019 ein Schulplaner eingesetzt. Dieser ermöglicht es den Lernenden eine Dokumentation über das eigene Lernen bzw. Lerninhalte anzufertigen, den Überblick über die eigenen Fehlzeiten zu behalten und über Verhaltensregeln, Ansprechpartnern und wichtigen Termine im Schuljahr informiert zu sein. Diese erste Strukturierung der Arbeit eröffnet – nach erfolgreicher Nutzung – ein gemeinsames Sprechen über Gelerntes. Den Zeitpunkt, wann der Schulplaner eingeführt wird, entscheidet das Mentoren- oder Klassenteam. Sobald es möglich ist, wird der Schulplaner wird in den Alphabetisierungsklassen eingesetzt. Innerhalb der vier Halbjahre führen die Mentoren mit ihren Mentees Lernentwicklungsgespräche durch und halten die Vereinbarung im Schulplaner gemeinsam fest, sodass die Schülerinnen und Schüler sukzessiv Verantwortung für das eigene Lernen übernehmen und tragen.

Unterrichtsstruktur

Der Unterricht findet an vier Tagen der Woche von der 1.-8. Unterrichtsstunde statt. An einem Tag der Woche finden vier Unterrichtsstunden statt. Es werden aus schulorganisatorischen Gründen 90-minütige Unterrichtseinheiten statt. Gesundheit und Bewegung wird klassen- und/oder jahrgangsübergreifend unterrichtet. Parallel hierzu finden Kursangebote statt.

Die in einer Lerngruppe eingesetzten Kolleginnen und Kollegen organisieren ihren Unterricht innerhalb des schulorganisatorischen Rahmens, sodass möglichst konstante und durchgängige Begleitung des Teams mit der jeweiligen Lerngruppe gewährleistet werden kann. In der regelmäßig stattfindenden Teamstunde werden neben Unterrichtsabsprachen und Schülerangelegenheiten auch organisatorische Aspekte thematisiert. Die konkrete Ausgestaltung der Lernsituationen obliegt den getroffenen Vereinbarungen und soll gegenüber den Lernenden zu bestimmten Zeitpunkten transparent gemacht werden. So gibt es Bewertungskriterien für die berufsbezogenen Fächer und Zielvorgaben anhand des gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für die Sprachen Deutsch und Englisch. In Mathematik orientiert sich der Bewertungsmaßstab entsprechend der Anforderungen an die staatlich anerkannten Abschlüsse (ESA oder MSA).

Lernen sollte ganzheitlich erfolgen. Die Thematische Übersicht der zu erarbeitenden Inhalte wird im Lerngruppenteam gemeinsam festgelegt und mithilfe einer Lernlandkarte den Schülerinnen und Schülern als Unterstützung im Unterricht visualisiert. Durch die Kontinuität, Lernen als vollständige Handlung zu verstehen und entsprechend Lernprozesse zu gestalten, sammeln die jungen Menschen andere Lernerfahrungen als bisher, im Herkunftsland. Die Schulsysteme miteinander zu vergleichen, Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten und Unterschiede festzustellen ist ebenso Bestandteil der Lernhandlungen, als auch Rituale im Unterricht, die soziale, humane oder fachliche Kompetenzen fördern. Zudem sollte Lernen ganzheitlich erfolgen. Neben Gesundheit und Ernährung, Kunst und Kultur, Medien und Kommunikation, Bewegung und Entspannung steht vor allem die Orientierung im Vordergrund. Gemeinsame Vorgehensweisen und Strukturen befördern Lernen und unterstützen die Schülerinnen und Schüler beim Erwerb von Kompetenzen in Hinblick auf die Anforderungen an methodischen, selbstlernwirksamen oder systemischen Wissen, das Lernende aus dem hamburgischen Schulsystem bereits erworben haben. So können Vorschulkinder oftmals bereits erfolgreich mit einem Wochenplan arbeiten, Grundschulkinder häufig ihre Aufgaben selbstständig bereitlegen, systematisch bearbeiten und ihre Lernerfahrungen verbalisieren. Dieses Wissen um bestimmte Dinge, Werte und die Fähigkeit sich auf neue – oft aus der eigenen Lernbiographie unbekannte – Lernformen einzulassen, ist zu Beginn der Berufsvorbereitungsschule für viele Jugendliche herausfordernd. Fertigkeiten zu trainieren, eigene Stärken benennen und ausbauen und ein kontinuierlicher Schulbesuch ermöglichen es, gemeinsam zu arbeiten, zu lernen und in dieser neuen Umgebung anzukommen.

Projekt Weichenstellung

Die bmk ist seit 2016 Partnerschule des Projekts WEICHENSTELLUNG, das von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius realisiert wird. Somit erhalten die im Projekt aufgenommen Schülerinnen und Schüler die exklusive Chance, bei der Integration in Schule und Gesellschaft individuell gefördert bzw. gefordert zu werden. Bei WEICHENSTELLUNG begleitet eine oder ein studentischer Mentor (in der bmk werden die  Studenten als Patin oder Pate genannt), drei Schülerinnen und Schüler vier Stunden pro Woche. Dabei geht es in erster Linie um sprachliche und fachliche Unterstützung (zwei Stunden im Unterricht und zwei Stunden individuelle Lernzeit). Zusätzlich führen sie monatlich mit ihren Mentees ein etwa vierstündiges Kulturprogramm durch, zum Beispiel erkunden sie gemeinsam die Stadt, besuchen Museen, Musicals, Theater oder Bücherhallen.

Durch persönliche Begegnungen wird ein Miteinander geschaffen, von dem nicht nur die beteiligten Mentees und Studenten profitieren, sondern ebenso Eltern, Sorgeberechtige und die Schule.

Weitere Informationen zum Projekt:

https://ausbildung.weichenstellung.info/

Ansprechpartnerin: Ella Kerner e.kerner@medienschule-hamburg.de   

Sozialpädagogische Unterstützung

Seit dem Schuljahr 2018/2019 werden die Schülerinnen und Schüler an der bmk von der Sozialpädagogin Haike Lüken begleitet und unterstützt. Frau Lüken arbeitet intensiv mit den Lernenden zusammen und gibt im folgenden Interview einen Einblick in ihre Arbeit.

Frau Lüken, wie kann man sich Ihren Einsatz als Sozialpädagogin in der Ausbildungsvorbereitung vorstellen?  

Haike Lüken: Zum engeren sozialen Umfeld der Schülerinnen und Schüler gehört neben der Familie auch die Schule. Somit ist Schule nicht nur Lern- sondern auch Lebensraum. In meiner Tätigkeit als Sozialpädagogin bin ich bemüht, ein positives Schulklima zu erhalten und zu schaffen.

Was sind Ihre Schwerpunkte?

Haike Lüken: Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Beratung in ihren unterschiedlichen Formen. Sie richtet sich an Lernende, Lehrkräfte und Eltern bzw. Betreuerinnen und Betreuer, ist präventiv, intervenierend und koordinierend. Das Prinzip der Vertraulichkeit und Freiwilligkeit ist unabdingbar.

Welche Unterstützungsangebote bieten Sie an?

Haike Lüken: Ich biete zielgruppenspezifische Beratung zu Adoleszenz und Migration sowie lebenspraktische Beratung zu allgemein sozialen Themen wie Leben und Wohnen in Deutschland an. Meine Beratung orientiert sich an der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler. Ich unterstütze in schulischen wie auch persönlichen Schwierigkeiten bzw. Lebenslagen, helfe beim Umgang mit Behördenbriefen und vermittele freizeitpädagogischer sowie sozialräumliche Angebote.

Wenn Sie an die Anschlussperspektive der Schülerinnen und Schüler denken, wie kommen Sie als Sozialpädagogin ins Spiel?

Haike Lüken: Auch diesbezüglich unterstütze ich in sozial- und berufspädagogischen Fragen und helfe z. B. beim Übergang in Jugendhilfe hinein oder aus ihr heraus in die Selbstständigkeit. Ich stärke durch meine Arbeit die Verselbstständigung der Schülerinnen und Schüler, was natürlich wiederum Anschlussfähigkeit fördert und sichert.

Was ist das Besondere an Ihrer Tätigkeit?

Haike Lüken: Interkulturelle Arbeit in der Schule hat zum Ziel, ein gewalt- und konfliktfreies Zusammenleben und gegenseitige Akzeptanz zu ermöglichen. Kulturelle Unterschiede und Begegnungen werden dabei berücksichtigt und gesehen.  

Als Sozialpädagogin nehme ich Vernetzungs- und Vermittlungsfunktionen wahr und kann als Brücke zwischen den Sozialisationsinstanzen dienen. 

„(1) Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit.“*

*1 SGB VIII/KJHG [Recht auf Erziehung, Elternverantwortung, Jugendhilfe]:

Voraussetzungen

Zulassung

Bedingung für die Aufnahme in das Bildungsangebote AvM Dual für neu zugewanderte Jugendliche mit oder ohne gesicherten Aufenthaltsstatus ist ein Beratungsgespräch im Informationszentrum des Hamburger Instituts für Berufliche Bildung (IZ-HIBB).

Kontakt:

Informationszentrum des Hamburger Instituts für Berufliche Bildung (IZ-HIBB)
Vermittlung und Beratung
Hamburger Str. 125a
22083 Hamburg

Telefon
+49 40 428 63-4236
oder
+49 40 42863-3627

Organisatorisches

Zeugnisse und Prüfungen

Die Berufsvorbereitungsschule (BVS) gliedert sich in zwei Bereiche: Alphabetisierung sowie AvM dual und inklusiv. In der Alphabetisierung erhalten die Schülerinnen und Schüler ein individuell angepasstes Berichtszeugnis (ab diesem Sommer), in dem die Kompetenzen (Fähigkeiten und Fertigkeiten, die die lernende Person im Laufe des Schul- bzw. Halbjahres erworben hat) beschrieben werden. Das Ziel ist der Zweitschriftsprachenerwerb, in dem es darum geht, die deutsche Sprache zu verstehen, zu sprechen und zudem schriftlich in der Lage zu sein, sinnentnehmend zu lesen, kurze und einfache Texte zu erfassen und zu produzieren. In AvM erhalten die Schülerinnen und Schüler im ersten Halbjahr ebenfalls ein individuell angepasstes Zeugnis. Auch hier werden die Kompetenzen (analog wie in der Alphabetisierung) beschrieben. Ab dem zweiten Halbjahr erhalten die Schülerinnen und Schüler ein Notenzeugnis, wobei die berufsbezogenen Fächer durch eine Anlage zum Zeugnis erläutert werden. Im berufsübergreifenden Unterricht werden die Fächer Sprache und Kommunikation, Mathematik, Fachenglisch (ab dem 3. Halbjahr), Werte und Leben in Deutschland, Gesundheit und Bewegung sowie eine Durchschnittsnote über die Wahlpflichtkurse ausgewiesen.

Abschlüsse: Abschluss der Berufsvorbereitung, (mit ESA) oder (mit MSA)

Am Ende der zweijährigen Berufsvorbereitung erreichen die Schülerinnen und Schüler ihren Berufsvorbereitungsabschluss (Abschluss BVS), indem sie eine praktische Prüfung in Kooperation mit dem Betrieb, in dem die bzw. der Lernende das letzte Betriebspraktikum absolvieren und regelmäßig die Schule besucht haben. Diejenigen, die in Sprache und Kommunikation das Sprachniveau B1 und in (Fach-)Englisch das Sprachniveau A2 erreicht haben, können einen Antrag auf Prüfung des Ersten Allgemeinbildenden Schulabschlusses (ESA) stellen. Lernende, die überdurchschnittlich schnell im Spracherwerb (Deutsch B2, Englisch B1) sind, können einen Antrag auf Prüfung des Mittleren Schulabschlusses (MSA) stellen. Dies können sie entweder durch erfolgreichen ESA-Abschluss (Notendurchschnitt D/M/E 2,5 oder besser), indem sie einen Härtefallantrag über ihre Abteilungsleiterin beim HiBB stellen, oder innerhalb der regulären Schulzeit die erworbenen Kenntnisse erworben haben. Die Prüfungen werden zentral durch das HiBB gesteuert und erfolgen entsprechend der behördlichen Vorgaben und Zeiträume.

Weitere Informationen unter:
https://hibb.hamburg.de/bildungsangebote/berufsvorbereitung/berufsvorbereitungsschule/bildungsangebote-fuer-migrantinnen-und-migranten/

Zusätzliches Sprachdiplom: DSD I PRO

Die Schülerinnen und Schüler können das Sprachzertifikat DSD I PRO erwerben. Die Prüfung findet meistens im April statt und besteht aus einem schriftlichen und mündlichen Prüfungsteil. Das Zielniveau ist die Kompetenzstufe B1 des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens (GeR).

Wenn in allen vier Prüfungsteilen (Leseverstehen, Hörverstehen, schriftliche Kommunikation und mündliche Kommunikation) die Stufe B1 erreicht ist, erhält die bzw. der Prüfling ein B1 Diplom. Wenn in einem Prüfungsteil nicht B1 erreicht wird, erhält die oder der Prüfling das Zertifikat auf dem Niveau A2 ausgewiesen.

Das Sprachdiplom B1 ist für alle Schülerinnen und Schüler, die nicht Muttersprachler sind, ein nützlicher Nachweis, da die Kolleginnen und Kollegen in der dualen Ausbildung auf einem gewissen Sprachniveau ihre Lernsituationen den Schülerinnen und Schülern anpassen können müssen (ohne dass die Qualität der Ausbildung an Wert verliert). Selbiges gilt für die Aufnahme an ein Studienkolleg in der Bundesrepublik Deutschland.

Weitere Sprachdiplome Schülerinnen und Schülern, die in der englischen Sprache bereits die Niveaustufe B2 erreicht haben, werden im Rahmen des Abendkursangebotes entsprechend ihrer Kenntnisse unterrichtet. Sie erhalten die Möglichkeit sich ihr Sprachniveau durch anerkannte Sprachzertifikate bescheinigen zu lassen.

Ansprechpartner

Name
Funktion
Telefonnummer
E-Mail
Birte Blunck
Abteilungsleiterin AvM d+i sowie Alphabetisierung
Ella Kerner
Bildungsgangsprecherin und Projektkoordinatorin Weichenstellung
Thorsten Leistner
Inklusionspädagoge
Dörte Graul und Wolfgang Keller
Koordinatoren für den beruflichen Orientierungstag

Birte Blunck

Vorname:
Birte

Nachname:
Blunck

E-Mail:
birte.blunck@hibb.hamburg.de

Telefon:
+49 40 428 951 – 222 

Position:
Abteilungsleiterin AvM dual und inklusiv sowie Alphabetisierung